Interview: Welcher Wein passt zum Super-Sommer 2018?

Die Luft riecht nach Süden, die Sonne geht unter, der Grill an oder die Pasta kommt auf den Tisch.
Ein Stück Urlaub lockt jetzt auf Balkon und Garten! Und welcher Wein passt zum Sonnen-Sommer 2018 mit Draußensein, Grillparty und Freunden feiern? Schon aus eigenem Interesse habe ich mal beim Beerenprofi Fabian de Cassan nachgefragt, der Mann ist Italiener und verkauft lauter nette Weine aus der Stiefelregion in seiner Vinothek in Krefeld. Heraus kam ein informatives Gespräch über südliche Weine und mein neuer Favorit für laue Sommerabende: ein schicker Weißer aus Venetien – echt süffig! Salute!

 

Welcher Wein passt zum Sommerabend im Garten oder auf dem Balkon?

Natürlich immer der, der einem toll schmeckt! Ganz im Trend ist seit ein paar Jahren der Lugana, mit frischen Aromen, die ein bisschen an Zitrusfrüchte erinnern. Relativ unentdeckt und eine prima Alternative ist für mich dazu ein „Pecorino“. Kein Käse, sondern ein Weißwein aus Mittelitalien. Er schmeckt ein bisschen exotischer als der Lugana, kommt an den Gaumen mit fruchtigen Aromen, die an Pfirsich oder Grapefruit erinnern. Und natürlich immer gut: Ein schöner, frischer Rosé – der klassische Sommerwein! Rosé oder Rosato haben meist einen moderaten Alkoholgehalt und passen wunderbar zu Gegrilltem oder – genau wie ein Weißer – einfach so, zum Erzählen.

Sind Roséweine eher was für den Sommer?

Im Sommer ißt man anders, meist leichter und dazu passt der Rosé halt sehr gut. Außerdem lässt er sich, genauso wie ein Weißwein, prima solo trinken, während der Rote tendenziell mehr zum Essen gehört. Aber! … alles auch eine Geschmacksfrage.

Wenn Gäste kommen, welchen Wein gibt es denn bei Ihnen zu Hause?

Natürlich viele italienische Weine! Aber ich mag und serviere auch gerne deutsche Weine: Weißer Burgunder, eine Scheurebe oder ein Riesling … großartig! Schmeckt alles toll, ist eine Abwechslung und schult natürlich auch meinen Gaumen.

Was zeichnet einen italienischen Wein aus, im Gegensatz zum Franzosen?

Italiener sind zugänglicher (lacht!), werden als viel weicher und fruchtiger empfunden. Französische Weine haben oft Ecken und Kanten und gelten als trockener. Für den Geschmack sind in erster Linie der Boden, die Hefe für den Gärungsprozess und das Klima verantwortlich – alles etwas anders in Italien als in Frankreich.

Und was verkaufen Sie am meisten: Weiß-, Rosé- oder Rotwein?

Ganz klar Weißwein, dann kommt der Rotwein und dann der Rosé. Das hat aber auch damit zu tun, dass es beim Rosé nicht so eine Riesenauswahl gibt. Obwohl jetzt immer mehr Winzer auch Roséweine keltern. Rotwein geht auch im Sommer, hat aber meist einen höheren Alkoholgehalt und immer einen Bezug zum Essen. Überhaupt Alkoholgehalt: Durch den Klimawandel gibt es jetzt immer „fettere“ Weine: Mehr Sonne, mehr Zucker – und der Zucker bestimmt den steigenden Alkoholgehalt im Wein. Da müssen die Winzer schon gut aufpassen! Nicht so lange reifen lassen und damit in die „frischere, sommerliche“ Richtung drehen ist keine Lösung. Dann hat man eher einen unausgegorenen Wein, der über Restsüße verfügt – das verlangt viel Balance und Know-how.

Stichwort Prosecco? Was gibt’s denn da Neues?

Prosecco wird von Venedig bis zu den Dolomiten angebaut und beste Lagen sind rund um Valdobbiadene und Cartizze zu finden – alles andere sind Schaumweine oder Frizzante. Ich mag Prosecco pur am liebsten. Neu ist bei uns jetzt allerdings ein Rezept mit Spumante und Sanbittèr. Schmeckt ähnlich wie Apérol Sprizz, hat aber durch die rote Limonade weniger Alkohol – keine schlechte Alternative bei Hitze. Rezept: 1/2 Flasche Sanbittèr (ca. 50ml) auf Eis, Orangenschnitz, 1 Stängel Minze und das Ganze mit Sekt auf 0,2 Liter auffüllen!

Und was kann Sommerwein?

Darunter versteht man die fruchtig-blumigen Weißweine mit niedrigerem Alkoholgehalt, auch gern unter 12 Prozent. Sie haben eine sogenannte „saftige Säure“, die den Mund frisch für ein weiteres Glas machen. Angenehm!

Kann ich da nicht auch eine Weinschorle nehmen?

Natürlich, die ist vom Alkoholgehalt noch niedriger. Dafür sollte man aber einen guten und kräftigen Wein nehmen. Billiger Wein gemischt mit Wasser – dann kann man besser Wasser trinken!

Kork-, Plastik-, Glas- oder Schraubverschluss. Sagt mir das etwas über die Qualität des Weines?

Grundsätzlich nicht. Junge Weine sind ideal für den Sommer und sollen auch jung getrunken werden, da funktionieren Drehverschlüsse sehr gut. Lagerweine reifen besser mit einem Naturkork. Und Silikon- oder Glaskorken sind mehr Marketing und haben weniger mit der Qualität des Weines zu tun.

Ist der Hype um den Lugana eigentlich gerechtfertigt?

Ein großartiger Wein aus der Region rund um den Gardasee. Lugana werden stark nachgefragt, da geht der Preis natürlich nach oben, die Qualität aber nicht unbedingt immer mit. Man kann auch mal Alternativen aus anderen Regionen versuchen, z. B. der Trebbiano, der hat alles, was einem Lugana-Fan Freude macht – aber in preiswerter.

Haben Sie einen Lieblingswein?

Mmmh (überlegt) … es gibt viele wunderbare Italiener. Aber ja doch, unseren Hochzeitswein: Furiél. Ein Sauvignon Blanc, angebaut in den höheren, kühlen Lagen nördlich von Trento. Ein Wein mit viel Aroma, der regelrecht festlich über die Zunge rollt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Übrigens! Cassan Vinothek treffen Sie jetzt über die Sommermonate mit kleinem, feinem Weinstand auch auf der „Rhine Side Gallery“ in Krefeld-Uerdingen.

1 Kommentar

  • Astrid vor 2 Jahren Antwort

    Prima Artikel und informativ, wieder wunderbar fotografiert und geschrieben. Danke.

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