Sonntags? Bin ich jetzt öfter auf dem Flohmarkt. Garantiert!

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Einmal auf den Flohmarkt gehen, das ist so ziemlich das Beste, was einem zu Mode-Konsum und Nachhaltigkeit spontan einfallen kann. Obwohl! So spontan war das gar nicht, denn meine Freundin Gabi (ihr kennt sie aus der Mode-Personal Story hier) geht super oft auf den Flohmarkt und erbeutet dort die tollsten Schätze. Aber guten Style bei ihr in Haus & Garten und an der Frau selbst bestaunen, das Ganze Samstagabend mit tollem Essen und einem Gläschen Wein in der Hand (kochen kann sie auch!) oder: Selbst sonntagmorgens raus aus dem Bett und an hundertunddrei Ständen mit Adleraugen die Rosinen rauspicken …

Flohmarkt ist wie Schatzsuche

Ja, das ist dann irgendwie wieder was anderes! Aber neulich war es soweit, nach langer Trödel-Abstinenz kam es zum Date: Der P1, ein buntgemischter Flohmarkt an der Messe in Düsseldorf, ein befreundetes Paar, Anja und HD, mein Mann und ich. Aber der Reihe nach …

„Flohmarkt“, sagte mein Mann und verdrehte die Augen. „Sonntags, och nö!“ „Doch, das macht Spaß“, sagte Gabi. „Morgen ist wieder Flohmarkt auf dem P1 Messeparkplatz.“ Es war besagter Samstagabend, alle mit Vino, kurz vor dem Essen bei Gabi & Klaus. Gabi trug stilsicher 70er Hose, Flower-Power Bluse und spitze Kittenheels – alles made by Flohmarkt. Dazu dunkelrote Lippen, klarer Teint und No-Make-up-Look. WOW! Trödel ist klasse!!, da waren sich alle Frauen einig – da muss man hin! Tatsächlich haben wir es dann am nächsten Tag geschafft.

Sonntag, 12:00 Uhr: Zu Viert schlendern wir über den Flohmarkt. Auf dem P1 gibt es viel Kleidung, Accessoires, Taschen und Schuhe. Die meisten Stände unter Zeltdächern, darunter, davor und daneben Ölgemälde, Stehlampen, Stühle, Tische, Kristallgläser, Goldrand-Teller, Spiegel, aufgeschichtete Hügel aus Fellen – man kann ganze Einrichtungen erbeuten. Dinge, die vielleicht wertvoll sind, lagern neben Kunst und Kitsch und heimatlosem Kram, den niemand mehr will – aber DU vielleicht? Und alle anderen sind auch schon da und haben wie alle Flohmarktbesucher dasselbe Ziel: tolle Sachen entdecken, die vom Hauch des Einzigartigen umweht sind und Geschichten aus verschiedenen Milieus und anderen Zeiten erzählen können.

Kunst und Kitsch, hier gibt’s alles

Dazu riecht es nach Frittiertem, es gibt Blumenstände, Gemüse in Maßen, Brotlaibe und Honig von glücklichen Bienen – auf jeden Fall sehen die Gläser nach handmade auf dem Imkerhof aus. Mein Mann steht beim Frittiertem und schaut sich um: „Ein Bier wär‘ nicht schlecht. Schatz, hast du alles gesehen“, fragt er dann und bietet Frühlingsröllchen in die Runde. Diesmal roll‘ ich die Augen.

Auf dem P1 stehen professionelle Händler, viele aus dem nordafrikanischen Raum, neben „Einheimischen“ aus ganz NRW, das ist Integration made by Flohmarkt. Ich komme mit zwei Freundinnen aus Wuppertal ins Gespräch, die einen Stand hier haben: Sie sind um 4:00 Uhr aufgestanden, um abgelegte Kindersachen der Söhne und eigene, aussortierte Mode und Taschen anzubieten. Wie oft sie das machen? „Einmal im Jahr macht’s Spaß, den Rest des Jahres erholen wir uns davon“, lachen sie. Ich streife weiter und muss mich anders als Gabi irgendwie erst einstöbern, damit ich Rosinen inmitten der geschätzten 800 Stände finde. Und dann läuft es auf einmal! Ich sehe einen olivfarbenen Trench von Cerruti 1881 – gibt es die Marke eigentlich noch? Er scheint direkt auf mich zu warten und schaukelt im kalten Maiwind. „Der steht dir“, sagt mein Mann sichtlich verwundert, damit hatte er zwischen Kinderklamotten, Designer-Parfums, Haushaltswaren und Porzellanschönheiten mit Blumenbouquets jetzt nicht gerechnet. „2o Euro. Soll ich mal handeln?“, freue ich mich. Jetzt verdreht mein Mann die Augen und unsere Freunde fangen an zu kichern. Ok, ich wollte nur das tun, was alle hier beim Flohmarkt machen! Ich bezahle und ziehe das gute Stück gleich über – ich fröstele, es ist saukalt im Mai!

Feilschen, wie geht das?

Dass Trödeln voll im Trend ist, haben wir schon bemerkt, als uns gefühlte 1000 Parkwächter zu unserem Abstellplatz in unübersehbaren, ewig langen Autoreihen lotsen. „Am besten, Sie machen ein Foto von Reihe und Abschnitt“, gibt uns ein freundlicher Rastaman Parkticket und Auto-Finde-Garantie an die Hand. Eine gute Idee für die Zukunft, die mich vom gewohntheitsmäßigen Suchen des abgestellten Autos an fremden Orten befreien könnte.

Auf den ausgestellten Stücken erinnern mich die Gebrauchsspuren an gelebtes Leben – das Leben von anderen! Der Gedanke macht mich irgendwie traurig: Kleidung, Kristallgläser, Hocker, Vasen – alles wird nicht mehr gebraucht und sucht eine neue Bleibe. Ich nehme eine Porzellanschönheit mit blauem Faltenwurf in die Hand … „Antik“, sagt der dunkelhäutige Händler, „gebe ich dir für 20 Euro.“ „Die willst du jetzt nicht wirklich kaufen“, flüstert mein Mann alarmiert. „Ich kann dir gerne die Dame mit Hund von deiner Mutter aus dem Keller holen“, erinnert er mich weiter. Das stimmt, das Erbstück hatte ich erst auf Ebay gestellt und dann nach Null-Geboten außer Sichtweite gebracht.  Mein Gatte zieht mich weiter zum Nachbarstand mit Schaffellen aller Couleur. Hier sind Null-Geschichten zu hören, alle Felle sind neu und mein Mann entscheidet sich spontan für 2 graue Exemplare. „Vors Bett oder für draußen im Garten“, sagt er pragmatisch und blättert den Kaufpreis auf eine Fellanhöhe in Pink.

Die Idee: Parfums trödeln

Wir gehen weiter. Anja entdeckt ein Parfum, das für etwa die Hälfte des Neupreis angeboten wird. Riecht gut, gekauft! Ich sehe eine alte Prada-Tasche und frage nach dem Preis: 30 Euro! „Ich habe soviele, aber nie die Richtige“, beschreibt die Standinhaberin ihre Verkaufsabsicht und mit wenigen Worten, was Frauen Männern auch abendfüllend nicht erklären können. Ich kaufe eine hübsche No-Name für 20 Euro.

Secondhand ist Nachhaltigkeit 🙂

Auch HD begegnet etwas, das er haben möchte: Bei einem Verkaufstalent aus dem Balkan werden handgenähte englische Schuhe, Logo-Sneaker, jede Menge Taschen, Motorrad-Jacken und „echte“ Manolo Blahniks präsentiert. Die Jacken sind ganz nach HD’s Geschmack, die schwindelhohen Designerschuhe gefallen einem Grüppchen Mittdreißigerinnen. Es herrscht beste Auktions-Atmosphäre. „Was kosten die?“, fragt eine. „Was sind sie dir wert“, antwortet das Verkaufstalent. „10 Euro?“, stapelt die Dame tief und hoffnungsfroh. „Pffft“, macht das Verkaufstalent, „echte Manolos.“ Er spricht in die Menge, nimmt ihr die Schuhe aus den begehrlichen Händen und stellt sie zurück zu mindestens 15 anderen spitzhackigen Manolos.

Dann kneift er die Augen zusammen und raunzt seinen Co-Verkäufer an, die dargebotenen Offerten im Auge zu behalten. Die Frau schaut trotzig auf die Schuhe und erhöht auf 50 Euro. Das Verkaufstalent zuckt nur die Achseln! Ich entdecke eine braune Tasche und frage sanft nach dem Preis. „30 Euro, die ist neu, echtes Leder“, anwortet er. Sofort zieht er eine noch eingepackte, gelbe Snake-Tasche hervor: „Die nimmst du dazu, Artenschutz, zusammen 100 Euro.“ Ich reiche ihm 30 Euro für die Braune und hoffe, dass ich nicht vor der Menge in die Debatte steigen muss. Auch HD kauft schnell und entschlossen die Jacke. Trödelei kann man uns beiden nicht vorwerfen, aber vielleicht Vermeidung von bestimmten Schlüsselreizen. Einen Moment scheint unser Verkäufer aus dem Konzept und raunzt 3 unbeteiligte junge Männer hinter uns an: „Was wollt ihr?“ „Nichts“, antworten die, „wir stehen hier nur so und wollen was lernen!“

Der nächste P1 Flohmarkt: 9. 6. 2019. Infos hier

Was aus der Frau und den Mahnolos geworden ist? Ich weiß es nicht. Unsere Ausbeute: 1 Trench, 1 Motorradjacke, 2 Felle, 2 Taschen, 1 Parfum, 3 Brotlaibe. Ich freue mich und ich werde wiederkommen. Stöbern, neue Geschichten erleben und nachschauen, ob das Verkaufstalent vom Balkan noch da ist oder mittlerweile auf der Flucht.

Kommentare (2)

  • Claudia vor 3 Monaten Antwort

    Diesen Trödelmarkt liebe ich. Habe schon soviel tolle Schnäppchen dort gemacht!

    Tina Artz vor 3 Monaten Antwort

    … Und das ist mir jetzt auch passiert! Echt klasse dort! 🙂

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