Short-Summer-Storys: Lugano – Inspiration und Sehnsuchtsort

Es gibt Urlaube und es gibt Momente, in denen man die Sinne frei schaltet und sich einlässt auf Neues, Ungewohntes, sich vom Alltag häutet und den Blickwinkel ändert. So ist das bei mir, wenn ich nach Lugano komme: Die Landschaft sattfarben und golden, der See geheimnisvoll grün. Natur und Architektur verwunschen und doch gleichzeitig schweizerisch blank geputzt. Dazu wird die Region mit amtlich gemessenen 2016 Sonnenstunden pro Jahr geflutet! Das bringt nicht nur einen hübschen Teint, sondern kulinarische Geschmackswunder und Weine, die Wow(!) am Gaumen entlang schmeicheln. Kommen Sie mit mir auf eine sommerliche Reise rund um Lugano.

Das Erste: Ankommen und staunen!

Was ich zuerst mache, wenn ich nach Lugano komme? Eine Runde schwimmen im See und dann die Wasserperlen auf der Haut in der Sonne trocknen lassen. Faltentechnisch „grande disastro“ aber es fühlt sich einfach total relaxt an. Muss sein! Genauso wie das erste Glas Rosato (Tessiner Merlot, ich) und eine Dose Bier (egal woher, mein Mann) dann, schauen und seufzen! „Schön nich‘, Hmm“ – grande conversazione! Die Bergketten rund um den Luganer See sind scharf gezeichnet, die Häuser entlang nach Morcote – eigentlich nur vom Wasser einsehbar – unbezahlbar! Mehrheitlich sind es Rusticos, aus Naturstein mit einfachen Holzbohlen verbaut, der typische Tessiner Baustil. Das Panorama wirkt wie aus der Zeit gefallen: 50er Jahre for ever! Und tatsächlich, ein paar Häuser weiter wohnt Peter Kraus, den man sich als sowas wie den Justin Bieber damaliger Zeit vorstellen kann. Er verstand es, sich per Boot & Wasserski zu mobilisieren und OMG-like über den See zu preschen. Heute ist weniger Glamour: Morgens und abends, wenn der See ruhig ist, gibt’s Wasserski-Kino für alle. Und wir als Publikum gehen besonders mit bei Beginners. Klatschen, wenn einer steht, fährt und dann früher oder später doch reinfällt. Oooh, schade! – Noch ein Glas! „Schön nich‘, Hmm“ … PS: So ein kleines Rustico haben wir als Ferien-Domizil gemietet, traumhaft und Sehnsuchts-Stoff für weitere Abenddämmer-Gespräche.

Infos: Lugano Infos hier, und Ticino hier. LAC Kulturzentrum, hier.

Hesse war hier!

Von 1920 – 1962

Damals hat Hesse Deutschland den Rücken gekehrt. Was er gesucht und hier gefunden hat, kann jeder für sich nachspüren, wenn man sich auf seine Spuren begibt. In Montagnola wohnte der Nobelpreisträger und ist gerne in die landestypischen Grotti gegangen. Was man lesen kann hat er „dem Roten in irdenen Schalen“ zugesprochen. Weintechnisch gesehen bin ich schon mal nah dran – immerhin mag ich Rosato und wenn’s schriftstellerisch „hülfe“ würde ich ihn fortan aus „Tazzinas“ trinken. Wenn Sie in Montagnola sind, schauen Sie in seinem Lieblingsgrotto vorbei – lecker, hübsch und kühl im Wald gelegen. Was ich Ihnen ans Herz legen möchte: Gehen Sie zu Hesse auf den Friedhof! Eigentlich mag ich die Atmosphäre auf Friedhöfen nicht: Wildfremde Menschen, alle tot und lauter Schicksale, die ich nicht kenne und trotzdem treibt es mir die Tränen in die Augen.

Aber hier ist alles anders! Unwirklich schön, viel Marmor, verschwenderisch ehrende Blumen und eine Atmosphäre, die dankbar für das eigene Sein macht und den Blickwinkel weitet. Ach ja, Hesses Grab ist bei weitem das Schlichteste, aber mit einem Herz aus kleinen Steinchen davor. Und das ist dann der Moment, na ja, Sie wissen schon …

Infos: Montagnola, hier. Hesse Leben, hier. Hesse Museum, hier. Grotto del Cavicc, hier. Sie möchten selbst einmal ein Buch schreiben? Das kann man lernen, z. B. in der Buchschule von Andrea Micus. Mehr dazu hier.

 

Wer wandert erfährt viel – auch über sich selbst!

Einmal den Monte Lema runter

Mindestens! Das ist immer Ferien-Programm! Oben angekommen, liegt links der Luganer See, rechts der Lago Maggiore und dazwischen ein irrer großer Grasteppich. Wenn man wie ich Orientierungs-Legastheniker ist, kann man es sich auch so merken: Luganer See grün, Lago Maggiore blau! Vom kleinen Ort Miglieglia fahren wir mit der Seilbahn hinauf und dann setzen wir uns erstmal hin zur Jause. Schließlich sind wir auf dem Berg und da macht man das so! Also nehmen wir Platz zwischen den anderen Wanderern, die alle ein bisschen geschafft, aber glücklich aussehen. Wandern macht glücklich, weiß ich aus einer Studie des Bundeswirtschaftsministeriums: Da haben 82% angegeben, dass sie nach einer Wanderung eben das sind. Wir sind schon vorher im Glück! Mein Mann bestellt ein Bier, ich einen Ricotta mit Öl und Balsamico – beide happy! Danach ziehen wir los. Zuerst bergauf, etwa 100 Höhenmeter, das ist ein bisschen beschwerlich, aber dafür wird man mit besagtem Teppich aus grünem Rasen belohnt, riesengroß, streichelweich und Zwei-Seen-Ausblick on top. Schööön, schon wieder Glück! Danach geht es stetig bergab, etwa 3 Stunden lang. Oberschenkel, Po und Waden lassen spätestens am nächsten Tag grüßen! Für solche, die kein Handy dabei haben – das gilt für uns nicht, mein Mann würde nie-ohne-Handy(!) irgendwohin gehen – gibt es Hinweisschilder, wo es lang geht. Und spätestens jetzt erkennt man, dass Wandern auch etwas fürs Leben lehrt: 1. Egal was kommt, es gibt immer Möglichkeiten im Leben! Und wohin will man eigentlich? 2. Wandern macht schlau! Schließlich philosophierten schon die alten Griechen ausschließlich im Gehen. 3. Man erfährt viel über seinen Partner! Zumindest zu zweit führt man die persönlichsten Gespräche ever! 4. Glück gehört zum Leben – aber das hatten wir schon! Drei Stunden über schmale, gewundene Wege, abwechselnd schweift der Blick über grüne Wiesen, kleine Bäche und geheimnisvolle Steine. Drei Stunden, die nicht nur schonungslos die Muskulatur beanspruchen, sondern befriedigende Antworten auf nahezu alle Lebensfragen liefern. Bleibt nur noch eine Frage: Wann wandern Sie los?

Chillen & Shoppen, geht immer!

Streetstyle de luxe

Einfach sitzen und schauen – auch das ist Glück. Ich chille gerne mit Capuccino auf der Piazza della Riforma. Hier soll das höchste Touristen-Aufkommen sein. Kann sein, ich sehe viele modisch, lässig, elegante Frauen. Einfach guter Stil, Lugano ist voll davon! Mode gehört überall zu den sorglosen Themen des Lebens. Hier kommt noch eine südliche Note dazu. Ich schlendere die Via Nassa entlang – alles Luxus und elend teuer, aber schön anzuschauen. Mich zieht es zu Antonioli, einem Laden, der Kleidung zu unvernünftig hohen Preisen anbietet. Drinnen sieht man Damen mit kleinen Nasen und angemessen straffer Gesichtshaut, die Mode, Schmuck, Brillen, oder Parfums kaufen. Ich blättere das Angebot durch: vorwiegend britische Designer, sozusagen Kontra-Punkt zu unserem oft importierten Skandi-Style. Interessant! Und Anregung für neue Themen, die ich dann in CharismaLook mit gewohnt preiswerter Mode umsetze. Im hinteren Bereich wird es günstiger und ich suche im Sale nach Besonderem: T-Shirts, Röcke, Hosen. Etwas Schönes, dass aus Lugano kommt, das mich bei deutschem Nieselwetter schon beim Überstreifen an die Leichtigkeit des Sommers erinnert. Leider Fehlanzeige. Dafür gibt es zum Trost feinste Schweizer-Schokolade und handgemachte Beauty-Produkte.

Info: Via Nassa, Boutique Antonioli hier. Via Cattedrale, verschiedene Shops, einfach mal lang bummeln. Beauty-Produkte von Lush, hier. Schokolade von Läderach, hier.

Tessin: Food & Weine für die Sinne

Schmeckt nach Urlaub!

Kulinarische Tradition und in jedem Grotto auf der Karte: Polenta, Risotto, Minestrone, Hart- und Weichkäse oder Ziegenkäse mit Olivenöl – so weit, so klasse! Was mir aber im Sommer noch viel besser gefällt, sind die tollen Gemüse, Pilze und Obst (Rezept Tomaten mit Steinpilzen hier), die im milden Tessiner Klima mit palmengesäumten Seen, wunderbar gedeihen. Ein Rezept frisch vom Luganer Markt: Pfirsiche in Spalten aufgeschnitten, etwas Salz, mehr Pfeffer und Ziegenkäse obendrauf, mit Olivenöl beträufeln und im Ofen überbacken! Göttlich! Dafür am besten große, gelbe Pfirsiche nehmen, die man auch bei uns auf gut sortierten Märkten bekommt. Oder Konfitüre aus Pfirsichen: Etwa 850 Gramm, dazu kleine süße Tomaten etwa 150 Gramm, ein paar Zweige Rosmarin und Gelierzucker 2:1. Auch toll zu Käse und Wein. Überhaupt Wein! Trauben & Tessin, das gehört zusammen. „VITI“ steht für vini ticinese und meint echten Tessiner Merlot, der mehr als vier Fünftel des Rebbestands stellt. Im Sommer mag ich Rosato und den bekommt man bestens sortiert im Supermarkt in Lugano. Mein Favorit: Osé di Merlot Ticino. (Mehr Weinstorys hier). Und noch ein letzter Tipp: Was Sie keinesfalls versäumen dürfen: einmal einen Kuchen aus dem Grand Café al Porto – eine Offenbarung!

Info: Grand Café al Porto, Via Pessina 3. Direkt daneben gibt’s einen super Gemüse- und Obststand. Kaufhaus Manor Lugano mit bestens sortierten Lebensmitteln und Weinauswahl, Piazza Alighieri Dante.

Kommentare (2)

  • Astrid vor 2 Jahren Antwort

    Ein unglaublich schöner Bericht mit wunderbaren Bildern. Man möchte gleich den Koffer packen…….

    Tina Artz vor 2 Jahren Antwort

    Wie schön! Lugano ist wirklich eine Wucht!

Schreibe einen Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht, nur der Vorname. Erforderliche Felder sind mit * gekennzeichnet.

Das könnte dich auch interessieren