„Die Dinge mal anders betrachten.“ Im Hotel zum Hirschen in Südtirol ist das Programm.

Kann man Zuneigung oder gar Liebe in einem Hotel spüren? In den Fluren, in Zimmern, beim Blick vom Balkon in ein kleines Tal mit hohen Bergen rundum? Ja kann man, im Hotel Gasthof Zum Hirschen geschieht das ganz unerwartet und überraschend. Es erwischt einen wie ein Geschenk und ist gleichzeitig ein Talent, das Gastgeber-Familie Kofler/Mocatti in einer ursprünglichen Weise beherrscht und an die Gäste weitergibt.

Zuerst traut man dem eigenen warmen Gefühl noch nicht, das man angesichts der liebevollen Atmosphäre im „Hirschen“ spürt. Schließlich hatte man ja kein Geschenk erwartet – außer der üblichen freien Zeit, die es mit schönsten Urlaubserlebnissen zu füllen gilt. Vielleicht geschieht das aber auch schon früher, als wir den Märchenort „Unsere liebe Frau im Walde“ erreichen, hier liegt das ehemalige Pilgerhospiz. Das ist kein Witz, sondern ein Mini-Ort, den man ins Navi eingeben kann und der nach 10 Fahrstunden mit dem Auto von NRW zwischen Südtirol und dem Trentino vor uns auftaucht. Im Mittelalter entdeckte man hier im Wald ein Marienbildnis und das hat dem Dorf seinen Namen gegeben – dann kamen Pilger und so wurde der Ort zum Walfahrtsort.

Edith Kofler, die Seniorchefin, ist im Gasthof geboren und aufgewachsen. Früher brachte die kleine Edith die Nachrichten vom „öffentlichen Telefon“ im Hirschen bis auf die entferntesten Höfe im Tal. Heute gibt es Glasfaser, WLAN, das nachts abgeschaltet wird und keinen einzigen Fernseher auf den Zimmern – Philosophie der Begegnung mit sich selbst. Bei unserer Ankunft sehe ich Edith Kofler in einem der Flure zu den Zimmern und ich könnte schwören, ich hatte das Gefühl, dass sie tanzte. Mein Eindruck! Aber es passt so gut zu ihrem heiteren Wesen. Was sie sonst noch mit reiner Freude zelebriert: Zum Beispiel die leckersten Weine empfehlen und göttliche Lunchpakete schnüren.

Wie ist es, hier zu leben? Wäre ich dann anders? Was machen Berge mit Menschen? Geht hier zu leben auf Kosten der Vielfalt? Oder ist es eher andersherum? Mehr Fragen als Antworten, die mir auf Passstraßen hinauf, vorbei an Lärchen und Kiefern und mit Sicht auf friedlich weidende Ziege und Schafe durch den Kopf gehen. Ich kann von mir sagen, dass ich offene Fragen gerne mit zielführenden Antworten versehe. Gedanken einmal in tiefen Tälern vor sich hin schaukeln zu lassen, ohne sie zu Ende zu denken – auch das ist ein Geschenk, das sich hier gut, richtig und sehr entschleunigend anfühlt.

Angekommen empfängt uns Mirko Mocatti, er führt mit seiner Schwester Ingrid in der 3. Familien-Generation den Hirschen. Bevor wir in unser Zimmer einziehen, dürfen wir alle Zimmer-Kategorien anschauen – es gibt gerade freie Exemplare. Üblicherweise reguliert sich der Zimmerwunsch ja über Preis und Ambiente – dachte ich.  Bis ich „Hospitium“, „Luc“ und „Gasthof Zimmer“ sehe und intuitiv verstehe, das ein Zimmer der Seelenhygiene auch förderlich sein kann. Unter dem Motto „Authentizität liegt in der Veränderung“ wurde die ehemalige Pilgerunterkunft vor ein paar Jahren umgebaut und klar strukturiert: Schwere Balkone und Vordächer weg, die Zimmer minimalistisch und einzigartig.

So entstand Spiritualität in Architektur, die Betrachtungen von innen und außen möglich machen sollen – sich zurückziehen und wieder der Welt öffnen. Mein Mann und ich fühlen uns direkt im Hospitium wohl: Eine entspannte Raum-Philosophie, die mit schönen Leinenstoffen, wamem Lärchenholz und begehbarem Bad hinterm Bett mehr innere Einkehr möglich und das lärmende Außen fern halten soll. Funktioniert! Mein Mann legt spontan eine kleine Meditation überm Handy ein, ich folge derweil einem inneren ordnenden Rhythmus und sortiere unser Gepäck ins schöne Ambiente.

Mirko Mocatti hat zuerst Maschinenbau studiert, um dann zu merken, dass Hotel doch alles für ihn ist. Wie Spiritualität im Tourismus geht, versteht man nach einem Rundgang mit ihm durch den Hirschen: Abgeschiedenheit, Wandern und Waldbaden sind Perlen des Urlaubs in Südtirol und darauf kann ein Hotel schon mit der Architektur hinweisen. Hier ist es das Weglassen von Überflüssigem, dazu der Respekt vor der Natur und die Verwendung von traditionellen, regionalen Materialien. Mirko Mocatti ist der Tourismus-Visionär in der Familie, der auf kontemplativen Naturgenuss statt High-Tech-Wellness setzt.

Wenn man Nebensachen in Ruhe betrachtet …

Es ist Ende September, ein golden glänzender Herbstnachmittag, Sonne auf sanften Hügeln und erster Schnee in den Bergen im Nonstal. Vor dem Abendessen lüften wir uns noch schnell auf dem Balkon. Bevölkerte Lifte, weit gespannte Drahtseile über entholzte Pisten, Après-Gaudi – alles Fehlanzeige! Hier ist die Welt ruhig und beschaulich – Stille zum Anfassen. Ich atme die frische Bergluft, schaue über den Dorfplatz mit Kirche und Turm, sehe dahinter den Hausberg Laugen und finde es ausgesprochen bereichernd, die Dinge mal vom Berg aus zu betrachten. Ich drehe mich um und habe das schöne Gefühl, nichts zu verpassen außer – das Abendessen!

Ingrid Mocatti ist Chefin in Küche und Weinkeller und hat die gastronomische Linie im Hirschen klar konturiert: Konsequent lecker & gesund! Die Feinschmeckerin und ausgebildete Sommèliere empfiehlt zu ihren Menüs natürlich auch die passenden Weine – oft aus Südtirol und dem Trentino. Gekocht wird mit Einflüssen von Kräuterpfarrer Weidinger und nach Hildegard von Bingen und alles auf Südtiroler-Gourmet-Niveau. Ganz besonderen Wert wird hier auf naturbelassene, sorgsam produzierte, regionale und kraftvoll schmeckende Produkte gelegt – ein Anspruch, den man in unseren Supermarkt-Regionen kaum halten kann. Was mich besonders begeistert: Rote-Beete-Flan auf Kürbispüree, handgeschnittene Bolognese, mediterranes Ei auf gewürfeltem Schwarzbrot, Humus mit eingelegten Steinpilzen, und, und, und … Rezepte von Ingrid wird es ab dem nächstem Blogbeitrag und dann bis Weihnachten hier auf CharismaLook geben.

Mein Mann und ich sind noch nicht richtig alt, aber richtig älter. Also in dieser fortschreitenden Lebenszeit, in dem lustvolles Genießen als absoluter Stimmungsaufheller zu werten ist: Kurz, ich bin beim Essen. Für mich ist ein gutes Essen, für das ich keinen Finger rühren muss, schon mindestens 90 Prozent des Urlaubs wert. Frühstück und Abendessen sind für mich wahre Highlights des Tages, die ich gerne zelebriere. Mittagessen lässt mich dagegen kalt, stört meinen Tagesablauf und mehr als 2 Mahlzeiten landen bei mir nur auf den Hüften. Gekocht wird im Hirschen mit Einflüssen nach Hildegard von Bingen, die schon im Mittelalter ein Gleichgewicht zwischen Körper & Seele propagierte und dafür auf heilende Kräuter, Dinkel und Gerste setzte und Schweinefleisch als ungesund verpönte.

Ich koche ausgesprochen gern, aber ich bekomme kleinlich schlechte Laune, wenn man mein Essen nicht würdigt – was bei meinen Söhnen früher oft und bei meinem Mann schon mal öfter der Fall ist. Kochen ist Liebe, Leidenschaft, Instinkt und Wissen, sagt mir Ingrid – die formidable Küchenchefin des Hirschen. Ach hätte ich doch das Wissen und die Kochkunst von Ingrid! Denn wer gut kocht, weiß auch um beste Zutaten und wo sie zu bekommen sind: Im Nonstal gibt es großartige Milchprodukte von frei weidenden Ziegen und Schafen, genauso wild wachsende Kräuter in Wiesen und am Wegesrand. Wenn Fleisch auf dem Speiseplan steht, dann nur von glücklichen Tieren aus der Region, die wertschätzend behandelt werden und geschlachtet beim nächstgelegenen Schlachter. Kurze Wege, kein Stress, garantierte Frische! Klingt wie im Märchen, ist aber hier Alltag und liefert Produkte, die gar keinen Biostempel brauchen, weil nur Natur drin sein kann.

Es ist Radicchio Zeit, Winter-Radicchio, der hier nach der Ernte noch ca. 2 Wochen ins Fließwasser gestellt wird, bis er schlangenähnliche, kräftige Stengel entwickelt, die äußerst gesunde Bitterstoffe erzeugen, die wiederum cremigen Risotto, fluffige Polenta oder gefüllte Tortelloni veredeln. Obst, Gemüse, Fleisch, Milch, – alles im Hirschen kommt von Bauern aus der Gegend. Käse und Getreide vom nahen Roatnocker Hof, den wir am Ende dieser Woche besuchen. Hier wird jeden Freitag im jahrhundertealten, rußgeschwärzten Ofen mit Holz Roggenbrot gebacken. Käse gibt es von Kuh und Schaf und etliche Getreidesorten, die frisch gemahlen werden. Die Familie arbeitet Hand in Hand und alle Erzeugnisse kann man in Direktvermarktung kaufen. Genauso wie auf dem Widumhof, auf dem wir uns die Südtiroler Speckverarbeitung anschauen, alles probieren und üppig für zu Hause einkaufen.

… wird oft eine ganze Geschichte daraus

Anita Oberhauser ist Köchin, Kräuterexpertin und glückliche Jobspringerin im Hirschen und das hat einen speziellen Grund. An einem regennassen Tag weist sie uns in die Geheimnisse der Kräuterkunde ein und während wir lernen, zwischen Löwenzahn und Spitzwegerich zu unterscheiden und wie man daraus bestes Kräutersalz herstellt, erfahren wir, wie Anita zum „Hirschen“ kam: Mitten im Corona-Jahr entschied sie sich für einen privaten und beruflichen Neuanfang in den Bergen! Weg von ihrem bisherigen Leben in Bozen, von zu vielem Nachgeben und Nicht-Abgrenzen, hin zu neuen Sichtweisen und einer selbstbestimmten Zukunft. Von ihrem „heute“ erzählt sie glucksend-lachend, ein erfüllter Alltag im Hirschen, zwischen Zimmer säubern & desinfizieren, Kochen in der Küche und Kräutern – ihrer Leidenschaft. Wir erleben einen Nachmittag voller Gespräche über Möglichkeiten, Bereitschaft zur Toleranz, über Wahres & Wichtiges, das Salz im Leben – das wir in diesem Fall auch noch mit nach Hause nehmen können.

Eine Woche gesunde Kost, die den Body auf Vordermann bringt – ich schlafe tief und meine körpereigenen Prozesse laufen ungewohnt reibungslos. Förderlich ist auch die ungebremste Frischluft, die ich hier auf langen Wanderwegen zu mir nehme. Mittags sitzen wir auf dem Waldboden und essen mitgebrachte Brote und Kuchen, eingepackt von Ingrid oder Mutter Edith. Bei jedem Bissen weiß ich, dass ich alles vermissen werde – meine vom Laufen müden Beine, die Mittagsjause und den wiederkehrenden Appetit zum Abendessen. Ob ich zugenommen habe? Ja, ein Vital-Kilo, meine Beine sind fester, mein Bauch flacher und meine Haut ist strahlender.

Ich habe aber noch mehr gewonnen: Mehr Wertschätzung für die Natur und die Produkte, die von Feld, Wald und Wiesen geerntet werden. Dazu verholfen hat mir die hautnahe Lebensweise hier, der respektvolle Umgang mit Tier und Pflanzen – nichts wird weggeworfen, alles verwertet – und überaschende Neu-Kenntnisse: An einem Regentag haben wir mit Anita Kräutersalz gemacht, aus selbst gepflückten Kraut von Löwenzahn-, Karotten- und Spitzwegerich. Kräutersalz  kommt hier sogar ins Nudelwasser, „auch Spuren von Gesundem bewirken einiges im Körper“, sagt Anita. Sie hat über Jahrzehnte Wissen über die Kraft der Kräuter gesammelt und macht wunderbare Seifen, Elixiere, Salze, Tinkturen – alles kann man hier im Hirschen kaufen. Kräutersalz mache ich in Zukunft jetzt selbst, mit Karotten-/Petersiliensalz habe ich angefangen. Und noch etwas mache ich jetzt öfter mal anders: Abends Teetrinken aus Kräutern, die eine Frau im Ort gesammelt hat. Ein weiser Rat von Anita und letztes Geschenk vom Hirschen: Gut für Frauen, die viel vom Leben mitbekommen und trotzdem gern früher, länger und tiefer schlafen möchten.

Wer einmal selbst Kräutersalz machen möchte und die Rezepte aus Ingrid’s guter Küche vom Hotel Gasthof Zum Hirschen probieren möchte: Ab dem nächsten Blogbeitrag bis Weihnachten gibt es die Rezepte dazu mit Käutern, Radicchio & Co. zum Nachkochen für euch!

Lorenz Weiss ist Landwirt auf dem Familienhof im Nonstal. Er wohnt in der Nachbarschaft und steht als Guide für Wandertouren bereit. Er führt uns Flachland-Tiroler hinauf zum „Laugen“ dem Hausberg im Nonstal. Während wir 700 Höhenmeter über Geröllfelder, die ich nie alleine betreten würde, bis zu einem stillen Bergsee und wieder hinunter marschieren, hören wir Geschichten, die ohne Computer & Co. auskommen. Von einer Kindheit in den Bergen und Schulferien, in denen auf dem Feld gearbeitet wurde und die sich trotzdem wie Ferien anfühlten. Ich resümiere still, welches psychologische und pädagogische Geschick die Sommerferien stets bei uns als Patchwork-Familie ausgelöst haben. Eine erzieherische Herausforderung, bei der wir vielleicht besser die pädagogische Qualität von Feldarbeit für Jugendliche in Betracht hätten ziehen sollen. Beim Abstieg bekommt meine Fantasie Flügel und ich überlege locker, an Weihnachten einen Patchwork-Urlaub hier im Nonstal zu organisieren – statt bei uns zu Hause. Vielleicht würden sich so ja auch noch ehemalige Erziehungssünden geradebiegen lassen?

Was wir in dieser Woche noch gemacht haben? Das beeindruckende Messner Museum in Bozen besucht. Eine halbe Stunde entfernt und ein großartiger Eindruck über die Welt der Berge und das, was ich wirklich nie, nie, nie machen werde: Bergsteigen – ich Angsthase ich! Aber das ist eine andere Geschichte, vielleicht für einen anderen Blogbeitrag.

Weitere sehenswerte und besondere Hotels und Regionen? Hier geht es zu mehr Geschichten: Die Krone in Weil a. Rhein. Der Lindenwirt in Niederbayern. Wolkenstein & Skifahren. Lugano.

Charisma kann jede! Coaching wie du es möchtest

Dieses Jahr ist alles anders, aber dadurch sind auch individuelle Wege möglich. Ab sofort gibt es Personal-Coaching, Mode & Beauty, exklusiv für Frauen und ganz individuell für dich!

Styling-Event: Jetzt besser aussehen! Mit Mode-Profi und Journalistin Tina Artz (Buch-Autorin und Personal-Coach)

Ein individuelles Coaching für dich oder mit einer Freundin. – Die Anzahl der Teilnehmerinnen ist durch Corona begrenzt und erfolgt nach persönlicher Absprache. Lerne dich und deinen Style besser kennen: Wie kommst du am besten rüber? Deine Ausstrahlung, Stil, Figurtyp im professionellen Blick!

Was ist mit unseren Seminaren?

Das Hotel Gasthof Zum Hirschen wird definitiv auch ein Ort für unsere „Charisma kann jede!“ Seminare in 2021 sein! Wann genau? Im Moment sind alle Seminare für 2020 abgesagt, neue Termine werden nach Corona Lage ab Anfang 2021 wieder angedacht. Stay tuned und informiere dich über neue Entwicklungen unter dem Coaching-Button.





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