Design aus Deutschland: Karin Rocke macht traumschöne Pullover. Wie macht sie das? Ein Porträt

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Hach Pullover! … Dieser tröstliche Kuschel gegen trübes Draußen und Innen, das man morgens einfach anziehen kann. Schöner Strick wärmt, streichelt Seele & Haut und ist mein Lieblings-Look im Herbst und Winter! Diese Liebe zur Wolle ist es wohl, die mich eigentlich schon vor dem Kennenlernen mit der Designerin Karin Rocke verbindet.

Kennengelernt habe ich zuerst ihre wunderschönen Pullover bei der Fotoproduktion zur Modestory in der Donna-Magazin. Kirsten Wortmann, die Redakteurin, hatte die Mode mitgebracht (hier geht’s zur Behind-the-Scene-Story zum Donna-Artikel). Auf einer Kleiderstange hing ein sanft-grauer Merino-Woll-Pullover, mit Kordel-V-Ausschnitt. Ein WOW-Teil schon beim Sehen und Anfassen, der beim Probieren mit glattem, satt-schweren Fall  um meinen Körper schwebte! Dieser Pullover hatte eine wirklich überzeugende DNA! Er saß boxy, oversized, streichelte zart wärmend die Haut und – machte mich und das Jetzt um mich herum zack(!) schöner! Mit dem Leben und dem Augenblick gut umgehen können, darüber entscheidet auch die (Wohlfühl-) Kleidung, die man trägt – finde ich. Was einem nicht steht & schmeichelt, schadet unserem System. Gut angezogen zu sein ist daher systemrelevant, alles drunter schwächt Ausstrahlung & Ego. Schon klar, dass ich ein Interview mit der Designerin Karin Rocke wollte. Wie schafft man es, dass Wolle diesen Zauber entfaltet?

Mode & Ausstrahlung, Karin Rocke schafft die Pullover dafür

Ein Tag in HH im August. Erstaunlich saukalt, absolutes Pullover-Wetter, schon im Sommer. Karin Rockes Atelier liegt in Lokstedt, in einem begrünten Hinterhof mit Blumen. Über die Treppe geht’s hinauf und hinein ins Pullover-Sinnen-Wohlfühl-Reich. Karin Rocke macht Tee und beantwortet meine Fragen.

Viele Frauen können stricken, aber was trennt unsere Nadelkunst von deinen Pullovern? Wahrscheinlich ist es nicht die Liebe zum Material, es hat einfach viel mit Handwerk und Wissen zu tun. Meine Liebe zur Mode und zum Material hat wohl meine Mutter initiiert: Ab meinem 15. Lebensjahr sind wir jedes Jahr nach Paris gefahren. Das war enorm bereichernd. Das Stadtbild sah anders aus, die Mode auch – Streetstyle und Schaufenster mit französischen Looks. Eine Modenschau von Yohji Yamamoto war dann endgültig mein Schlüsselmoment: Das wollte ich machen. Mode! Praktisch ging es mit einer Schneiderlehre los, dann habe ich in Hamburg Modedesign studiert. Tja und dann ging es wieder nach Paris …

… wohin? Ich habe 10 Jahre bei Yves Saint Laurent gelernt und gearbeitet, mit Unterbrechungen bei Gabriele Strehle/ Strenesse und Hugo Boss. Für mich war die Zeit bei YSL (Tom Ford war zu der Zeit Chefdesigner) und Co-Designer Stefano Pilati eine Offenbarung. Ich wollte immer in ein großes Haus, viel Mode erleben, sehen, atmen. Ich habe dort unglaublich viel gelernt, mit und von Menschen, die die vollkommen gleichen Interessen hatten wie ich. Dass ich morgens nicht dorthin gerannt bin, war alles. Ich war vollkommen glücklich!

Paris und dann deutsche Mode bei Boss oder Strenesse. War das ein Unterschied? Schon. Bei YSL ging es immer ums „Image“, bei Strehle eher ums Produkt – aber ganz phantasievoll. Ich habe übrigens schon in meiner Ausbildung mit Strick angefangen und gelernt, das Material zu verstehen und dann habe ich immer weiter im Strickbereich gearbeitet. Zwischendurch habe ich dann eine Familie gegründet, weshalb Deutschland wieder ganz gut passte (Karin Rocke hat eine 8-jährige Tochter)

Deine Pullover fallen so wunderbar, liegen satt-weich auf der Haut. Wie machst du das? (lacht!) Ich liebe Merino-Wolle. Sie ist eine supertolle, vielseitige Faser und ich verarbeite sie sehr gerne in extrafeiner Qualität. Es wird mit einem Faden oder mehrfädig gestrickt, je nachdem, welches Ergebnis man erzielen möchte. Damit meine Pullover so fallen, wie ich es erträume und möchte, muss dann aber auch die Technik stimmen. Das ist enorm wichtig! Dafür verbringe ich dann tatsächlich mit dem Stricktechniker viel Zeit an der Maschine. Es wird gestrickt und getüftelt, so viele Proben lang bis alles so fällt, wie es soll. Außerdem hilft auch die Struktur. Meine Pullover sind oft im Patentmuster gestrickt, das begünstigt den glatten, reichen Fall der Wolle. Ja und dann kommen noch ein paar französische Geheimnisse dazu … (lacht verschmitzt).

Merino & Mohair lautet die Schwebeformel für Pullover

Vielleicht verrätst du uns eins dieser Geheimnisse? Mmmh … Ein Pullover muss vor allem schön auf der Schulter sitzen, das ist enorm wichtig. Die Länge ist zweitrangig. Aber damit er schön fällt, muss in erster Linie oben alles gut sitzen.

Was macht deine modische Handschrift aus, was ist das besondere bei dir? Jemand hat mal gesagt, meine Mode sieht sweet & cool aus. Das fand ich schön, ich entwickle gerne etwas, das lässig und elegant ist. Vielleicht aber auch, dass meine Pullover anders als gewohnt aussehen. Ich kombiniere z. B. schmale Ärmel mit viel Weite am Körper. Oversize sieht bei mir eher edgy aus und deshalb kommen die Kunden auch zu mir. Dazu sind viele Pullover rund gestrickt, kommen ohne störende Nähte aus. Außerdem kombiniere ich die Modelle anders als gewohnt, ziehe Pullover über schmale Windjacken – z. B. den mit der Kordel. Das fällt auf.

Für welche Frauen designst du deine Mode? Für jede Frau! … (überlegt). Meine Kundinnen sind oft so alt wie ich. Es gibt aber auch junge Frauen, die lieben z. B. meine Blockstreifen-Pullis. Ich möchte einfach die Frauen schöner machen, vielleicht ist das das Französische in mir (lacht), dafür gebe ich einfach alles!

Was ist dir als Designerin wichtig? Ganz klar die Wolle, das Material ist erstrangig. Und dann fühlen, entdecken, wo sind die Möglichkeiten, was kann diese Struktur – das ist meine Leidenschaft. Pullover sind sinnlich, sie tun einfach gut. In der Herbst/ Winterkollektion habe ich Mohair verarbeitet – hauchfein und trotzdem schön warm. Tatsächlich bin ich ein Mensch, der schnell friert. Mit Pullovern kann man so viel machen, Struktur, Farben, Fäden, leichter und schwerer Fall – das ist eine große Welt der Kreativität. Um etwas gut zu machen, muss man sich aber auch tatsächlich fokussieren. Bei mir ist es Strick und das besondere Design, das beschäftigt mich eigentlich 24/7, es erfüllt mich.

Gibt es von dir noch andere Mode außer Strick? Ja, das kam ganz selbstverständlich. Was passt über und zu meinem Strick? Deshalb wollte ich auch ein paar ausgesuchte Konfektionsteile anbieten. Es gibt einen klassischen Mantel und einen tiefblauen Hosenanzug, beides aus Wolle. Außerdem eine High-Waisted Hose, fast wie eine Leggings geschnitten und schön zu meinen Oversized-Pullovern.

Wie sieht für dich das ideale Herbst-Outfit aus? Mode ist immer Stimmungs-Sache. Aber natürlich braucht man jetzt einen Pullover. Eine weiche Hülle, in die man sich kuscheln kann und in der man sich gut aufgehoben fühlt. Außerdem einen Pullunder, der ist Trend – über dem Kleid, über Jeanshemd und Seidenblusen oder pur auf der Haut. Unbedingt noch einen tollen Mantel, der immer viel macht mit dem Outfit und einen guten Schuh – vorzugsweise Cowboy-Boots. Ach ja, und ein toller Rock, der lässt sich auch immer super stylen – super natürlich mit Pullovern (lacht).

Wie kommst du auf Ideen zu deinen Designs? Ich beschäftige mich rund um die Uhr mit meiner Mode. Aber die Ideen fließen nicht, wenn man sich dazu hinsetzt, vieles geschieht in Bewegung, im Leben. Ich beobachte und was ich sehe, setze ich in neue Ideen um. Natürlich hilft mir meine Erfahrung. Aber ich bin auch viel mit der Umsetzung beschäftigt, Ideen müssen praktikabel sein. Das ist ein wichtiger und oft auch schwieriger Teil – noch viel mehr mit Corona, da wurden die Abläufe einfach anstrengender.

Pullunder sind der Trend für den Herbst

Stichwort Nachhaltigkeit. Was tust du dafür? Ich verarbeite Naturfasern. Meine Produktion läuft größtenteils in Deutschland, in Bayern und Thüringen und einiges in Italien. Ich kenne meine Stricker. Mein kleinster Zulieferer-Betrieb hat zwei Strickmaschinen – daran sitzt ein Ehepaar in Italien. Das Design ist wichtig, die Qualität muss hoch sein, meine Pullover halten lange. Das alles hat natürlich auch seinen Preis – Menschen, Qualität, die Energie dafür – von Beruf und Berufung muss man leben.

Wo findet man deine Pullover? Ich habe einen kleinen Online-Shop Karin Rocke und natürlich kann man mich auch kontaktieren. Oder meine Kollektion bei Einzelhändlern kaufen. Ich bin klein und wachse langsam. In NRW gibt es mich z. B. in Bochum, Münster oder Wuppertal.

Wie wäscht und pflegt man denn deine Pullover? Strick sollte man am besten immer so wenig wie möglich waschen. Lüften reicht oft aus bei Merinowolle. Auch, wenn man Strick direkt auf der Haut trägt – Öle, Cremes oder unser Hautfett stört Wolle nicht, es ist ein natürliches Produkt und braucht sogar ab und zu ein bisschen Fett für die Oberfläche. Die richtige Aufbewahrung für Pullover & Co. ist liegend und am besten in einer Schublade, dann kann Sonnenlicht nicht die Farbe bleichen.

Hast du noch Träume für deine Kollektion? Immer (lacht)! Natürlich noch mehr Kundinnen, die meine Produkte verstehen. Eine Kundin sagte einmal zu mir: „Sie haben mich zu den Pullovern zurückgebracht, ich habe jahrelang nur Seidenblusen getragen. Jetzt liebe und trage ich Ihre Pullover, auch weil man in ihnen gar nicht schwitzt.“ Das war toll – und das ist auch schon eines meiner Geheimnisse! Ich möchte für den Sommer eine Jersey-Capsule-Kollektion machen. Ja und dann irgendwann mal einen eigenen Laden … Wenn ich auf dem Fahrrad zu meinem Atelier fahre, dann halte ich schon immer Ausschau, wo das sein könnte. Ja, so ein schönes, eigenes Geschäft mit Showroom – ja das wäre schön!

An diesem Abend bin ich mit meiner Freundin Sabine zum Essen verabredet. Um meine Schultern über dem Blazer zu Jeans schwebt ein Pullover von Karin Rocke. Sabine und ich, wir haben uns lange nicht gesehen, aber Drücken & Küsschen Fehlanzeige in Corona-Zeiten. Vielleicht deshalb ihre erste Frage: Woher hast du diesen Pullover? Dass ein Pullover einem das gewisse Savoir-Vivre in die Aura legen kann, erfuhr ich diesen Abend übrigens noch öfter. Zwei Frauen vom Nebentisch stellten mir die gleiche Frage. Und da sage noch jemand die Hanseatinnen seien kühl.

PS: Die schönen Pullover für Herbst/ Winter von Karin Rocke findet ihr im nächsten Artikel. Schaut mal rüber!

 

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